Am Bodensee riecht die Luft im April ein bisschen nach Frühling – und ein bisschen nach Kerosin, GFK, warmem Gummi und Espresso aus dem Messe-Foyer. Friedrichshafen kann das: See, Skyline, Zeppelin-Historie – und dann diese Tage, an denen die Allgemeine Luftfahrt zeigt, wie groß sie wirklich ist. Nicht als Randnotiz der Verkehrsfliegerei, sondern als eigene Welt: näher dran, direkter, technischer, manchmal auch mutiger.

Die AERO ist genau dafür Bühne und Marktplatz. Und wer 2024 und 2025 in Friedrichshafen war, hat zwei Ausgaben erlebt, die wie ein Doppelkapitel gelesen werden können: erst das Jubiläum mit spürbarem Rückenwind – dann der nächste Schritt, noch internationaler, noch breiter, noch stärker auf Zukunftsthemen fokussiert.

Vier Tage Ausnahmezustand – warum die AERO so wichtig ist

Man kann Luftfahrt lieben, ohne jemals eine Linienmaschine von innen gesehen zu haben. Genau da lebt die AERO: zwischen Ultraleicht und Businessjet, zwischen Segelflug und Helikopter, zwischen Avionik-Update und Pilotenausbildung. 2025 waren es auf dem 115.000 Quadratmeter großen Ausstellungsgelände wieder die großen Kontraste, die den Reiz ausmachen: eine Messe, auf der sich die Szene trifft – von Enthusiast:innen bis zu Zulieferern, von Flugschulen bis zu Herstellern.

Dass Friedrichshafen hier Europas Fixpunkt ist, liegt nicht nur an Tradition, sondern an der Mischung: Produkte, Gespräche, Konferenzprogramm, Static Display – und diese ganz eigene „Jetzt geht’s los“-Stimmung, sobald man die Hallen betritt.

Die Jubiläums-AERO als Statement

Die 30. AERO hat den Ton gesetzt: „Jubiläum“ klingt schnell nach Rückblick – 2024 war aber spürbar eher Aufbruch. Die Messe endete mit 31.500 Besuchern aus 81 Nationen und damit deutlich über dem Vorjahr.

Auch auf Ausstellerseite wurde klar, wie international dieses Format geworden ist: über 680 Aussteller aus 38 Ländern – und viele davon nicht nur mit Messestand, sondern mit Premieren im Gepäck.

Dazu kam das, was Messen messbar macht: die Dichte in den Hallen, die Gespräche an den Ständen, das Gefühl, dass man hier nicht „schaut“, sondern plant. Und: die AERO hat 2024 ihre eigenen Satellitenformate weiter geschärft – Drones, Gliding Expo, Career Days.

Fluggeräte zum Anfassen – Halle, Vorfeld, „Static Display“

Wer AERO sagt, meint nicht nur Messeteppich. 2024 konnten Besucherinnen und Besucher über 270 Fluggeräte in Hallen und Static Display sehen – vom Motortrike über Reise- und Schulflugzeuge bis hin zum Langstrecken-Businessjet.

Und dann gibt es noch diese Zahl, die viel über die Zielgruppe verrät: In einer Umfrage gaben über 53 Prozent der Besucher an, einen Pilotenschein zu besitzen. Das ist kein Publikum, das sich „unterhalten“ lassen will – das ist ein Publikum, das fragt, vergleicht, nachrechnet und Entscheidungen vorbereitet.

Premieren 2024: Elektrisch, neu gedacht, breiter aufgestellt

Bei den Premieren wurde sichtbar, wie sich die Branche aufstellt: elektrisch, effizienter, flexibler. Genannt wurden unter anderem die eDA40 (Diamond), die RX-1E-A (Rhyen), die Integral E (Aura Aero) sowie neue Muster im Turboprop- und Motorseglerbereich, darunter die Piper M700 FURY und der Motorsegler Phoenix.

Das Entscheidende daran: Es ist nicht „entweder oder“. Es ist ein Nebeneinander von Antriebsarten, Einsatzprofilen und Entwicklungsrichtungen. Genau das macht Allgemeine Luftfahrt seit jeher stark – sie ist Testfeld und Inkubator, lange bevor Innovationen in der großen Verkehrsfliegerei ankommen.

Segelflug, Rotor, Drone: Die AERO wird immer vollständiger

Dass Segelflug auf der AERO eine eigene Bühne bekommt, ist mehr als Programmpunkt – es ist ein Statement zur Breite der Szene. 2024 war die AERO Gliding Expo in der Zeppelin CAT Halle A1 gebündelt, inklusive eigenem Konferenzbereich.

Auch Helikopter sind längst nicht mehr Beiwerk: 2024 konnten Besucher 20 Helikopter besichtigen, inklusive eines breiten Herstellerauftritts. Genannt wurden unter anderem Robinson (mit Produktionsmustern) und ein erster Auftritt von Leonardo Helicopters auf der AERO.

Und dann ist da das Segment, das jedes Jahr spürbar wächst: Drohnen und unbemannte Systeme. 2024 wurde auf der AERO Drones beispielsweise ein Rettungssystem namens „RescueBee“ vorgestellt – ein Hinweis darauf, dass UAVs nicht nur „Technikspielzeug“ sind, sondern zunehmend reale Aufgaben im Einsatzumfeld übernehmen.

Karriere, Ausbildung, Diversity:
Luftfahrt sucht Menschen

Die Branche sucht qualifiziertes Personal – und zwar überall: Cockpit, Technik, Flugvorbereitung, Produktion. 2024 wurde das in Friedrichshafen nicht nur benannt, sondern aktiv bespielt – unter anderem mit dem AERO Career Day.

Besonders hängen bleibt ein Satz, der in Zahlen steckt: Weltweit seien nur rund sechs Prozent aller Berufspiloten Frauen, verbunden mit dem klaren Ziel, das zu verändern. Als starkes Beispiel wurde Margrit Waltz genannt – mit 26.000 Flugstunden und der Erfahrung, Flugzeuge über den Atlantik zu überführen.

Das ist genau die Art Story, die auf einer Messe wirkt: Nicht als PR, sondern als Anstoß.

2025: Wachstum, Breite – und die Messe als Zukunftsmaschine

2025 knüpft genau dort an – nur eine Nummer größer. In der Berichterstattung ist von rund 700 Ausstellern aus 40 Ländern und über 30.000 Besuchern die Rede. Messeleiter Roland Bosch wird mit einem klaren Fazit zitiert: „Die AERO 2025 war ein voller Erfolg“, verbunden mit dem Hinweis auf Wachstum gegenüber dem Vorjahr und eine Branche, die nach schwierigen Jahren wieder mit Innovationskraft vorangeht.

Auch der thematische Fokus wird klar benannt: Nachhaltigkeit und elektrisches Fliegen als roter Faden – aber eben nicht als „Plakat“, sondern als Querschnitt, der sich durch Fluggeräte, Kraftstoffe, Avionik und regulatorische Diskussionen zieht.

Highlight 2025: Pilatus PC-12 Pro – ein Arbeitspferd mit Upgrade

Zu den prominentesten Neuheiten 2025 zählte die Pilatus PC-12 Pro. Beschrieben werden ein überarbeitetes Cockpit, verbesserte Aerodynamik und eine um 10 % gesteigerte Reichweite. Besonders erwähnt wird das Garmin G3000 Touchscreen-Avionik-System sowie eine geräumigere Kabine.

Solche Flugzeuge stehen sinnbildlich für die Business Aviation im GA-Kontext: vielseitig, wirtschaftlich, robust – und gleichzeitig mit dem Anspruch, technologisch ganz vorne mitzulaufen.

SAF, Hybrid, Elektro: Dekarbonisierung passiert in Etappen

Neben Elektrifizierung spielt 2025 auch das Thema alternative Kraftstoffe sichtbar mit. Genannt wird Flight Design mit Leichtflugzeugen, die mit SAF (Sustainable Aviation Fuel) betrieben werden können. Dazu ein Satz, der die Richtung gut trifft: Dekarbonisierung läuft auf mehreren Ebenen parallel – pragmatisch, nicht ideologisch.

Genau das ist der Punkt: Die Allgemeine Luftfahrt wird in den nächsten Jahren nicht „den einen“ Antrieb finden, der alles ersetzt. Sie wird eine Landschaft aus Lösungen bauen – je nach Mission, Reichweite, Kosten, Infrastruktur. Und Friedrichshafen ist der Ort, an dem man diese Landschaft jedes Jahr in Echtzeit wachsen sieht.

Vision Jet, Klassiker, neue Avionik: Das breite Spektrum bleibt Kern

Auf der Jet-Seite wird 2025 die Präsentation des Cirrus SF-50 Vision Jet G3 erwähnt – ein Muster, das die Idee vom „Jet für Privatpiloten“ weiter in den Mainstream schiebt, inklusive Sicherheits- und Avionikpaket.



Parallel dazu zeigen „die Großen“ weiterhin Präsenz: Cessna, Piper, Diamond – und bei Diamond wird die DA50 RG genannt.

Und weil moderne Luftfahrt heute nicht ohne Screens, Integration und User Experience gedacht wird, überrascht es nicht, dass Avionik als eigener Magnet funktioniert: 2025 wird ein Trend zu intuitiveren, vernetzten Systemen beschrieben, exemplarisch mit Garmin und einem neuen Glass-Cockpit-System.

Drones 2025: Professionalisierung und Klarheit bei Regeln

Auch 2025 wird das Drohnensegment als wachsend beschrieben – mit Anwendungen von Vermessung über Inspektion bis Landwirtschaft. Dazu der Hinweis, dass regulatorische Rahmenbedingungen klarer werden und damit zusätzliches Wachstum ermöglichen.

Wer das richtig liest, erkennt: UAV ist kein „Extra“ mehr. Es ist ein eigenes Ökosystem, das sich neben der klassischen GA weiter professionalisiert – und trotzdem in Friedrichshafen gut aufgehoben ist, weil die Schnittstellen überall liegen: Sensorik, Kommunikation, Safety, Zulassung, Ausbildung.

Show, Sound und Gänsehaut: Flugvorführungen gehören dazu

Technik ist rational – Luftfahrt ist emotional. Deswegen funktionieren Airshows. 2025 wird die Flugvorführung als Publikumsmagnet beschrieben, inklusive Kunstflug und dem besonderen Reiz historischer Warbirds.

Diese Minuten auf dem Freigelände sind mehr als Unterhaltung: Sie erinnern daran, warum Menschen überhaupt fliegen wollen – und warum Innovation in dieser Branche immer auch mit Leidenschaft zu tun hat.

Konferenz, Politik, EASA: Wenn Zukunft diskutiert werden muss

Die AERO ist inzwischen nicht nur Produktschau, sondern Denkraum. 2025 wird ein Konferenzprogramm mit mehr als 200 Vorträgen und Workshops erwähnt – von Flugsicherheit über Technologien bis zu regulatorischen Entwicklungen.

Und ja: Luftfahrt ist Politik. 2025 wird die Messe auch als Plattform für Diskussionen mit Vertreter:innen des Bundesverkehrsministeriums und der EASA beschrieben – mit dem zentralen Spannungsfeld zwischen Wachstum und Umweltschutz.

Das ist wichtig, weil die Branche an genau dieser Stelle entscheidet, wie schnell Innovation tatsächlich in den Alltag kommt: Infrastruktur, Zulassung, Verfahren, Standards – ohne das bleibt jede Idee Prototyp.

Die AERO als Marke: Friedrichshafen bleibt das Zentrum

2024 wird die AERO als globale Marke beschrieben – inklusive internationaler Ableger (AERO South Africa, AERO Asia) und einem Fly-In-Format.

Und trotzdem: Das Herz schlägt am Bodensee. Weil Friedrichshafen die Dichte und die Energie hat, die diese Branche braucht – einmal pro Jahr, konzentriert, greifbar.

Termine, Ausblick und das, was bleibt

Am Ende jeder AERO steht dieser kurze Moment: man ist müde, die Füße tun weh, der Kopf ist voll – und man hat trotzdem das Gefühl, dass man ein Stück Zukunft gesehen hat. 2024 wurde bereits der Termin für die nächste AERO genannt: 9. bis 12. April 2025.

2025 wiederum wurde als Ausblick der Termin 9. bis 12. April 2026 kommuniziert.

Was man aus beiden Jahren mitnimmt, ist mehr als eine Liste an Neuheiten. Es ist ein Gesamtbild:

Allgemeine Luftfahrt ist nicht „klein“, sie ist vielfältig. Nachhaltigkeit passiert nicht als Schlagwort, sondern als Portfolio aus Lösungen.Ausbildung und Fachkräfte sind ein echter Engpass – und damit ein echtes Zukunftsthema. Friedrichshafen bleibt damit das, was es im April immer ist: eine Startbahn für Ideen.

Und wer wissen will, wie Luftfahrt morgen aussieht, muss nicht in die Glaskugel schauen.

Ein Ticket an den Bodensee reicht oft schon.

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