Feuerwehrauto Feuerwehr Löschzug Leiterwagen Berufsfeuerwehr München Wach 6

Ein paar Jahrzehnte zurück verbrachte man bei der Feuerwehr die Nächte in Schlafsälen. Das Schnarchen mancher Kollegen sorgte nicht immer für die nötigte Erholung. Wer nach einem kräftezehrendem Tag seine Ruhe suchte, musste hart im Nehmen sein. Neben reichlich Körpergerüchen, nächtelangem Husten zur Grippezeit und dem Aufziehen von Rotz der taschentuchfaulen Kollegen versuchte man etwas Entspannung zu finden.

Trotz, oder gerade wegen der einfachen Bedingungen war es eine eingeschworende Gemeinschaft, in der sich jeder auf den anderen verlassen konnte. Energie war reichlich vorhanden – und so waren ständig einige Lausbuben und ganze Gruppen in der Wache unterwegs auf der Suche nach neuen Streichen. Das Handy war noch nicht erfunden und somit war man quasi gezwungen 24h pro Schicht in einem vordefinierten „sozialen Netzwerk“ zu verbringen.

Dem Xaver war langweilig. (Name von der Redaktion geändert) Er hatte keine Lust auf Fernsehen und so schlenderte er nach dem Abendessen durch die Wache. Er hielt einen Schwatz mit dem Kollegen in der Telefonzentrale und stöberte durch die Fahrzeughalle. Das Gebäude war jetzt fast komplett ruhig. Der Großteil hatte sich in die Aufenthaltsräume zurückgezogen, wo man Karten spielte oder diskutierend beieinander saß. Er kam am noch leeren Schlafsaal vorbei und warf einen Blick hinein. Stockbetten mit Matratze, Decke und einem Schaumstoffkeil der als Kissen diente. Das Kissen! Das ist es!
Der Xaver ging zurück in die Fahrzeughalle und holte einen großen Stiefelknecht. Beim Nachbarbett tauschte er nun den Schaumstoff gegen die hölzerne Ausziehhilfe. Der wird sich gscheit wundern wenn er sich in sein Bett wirft ! Vielleicht hört er dann mal das Schnarchen auf. – so die Idee. Vergnügt über seine Tat und um nicht aufzufallen, begab er sich zu den Kollegen in den Aufenthaltsraum.

Der Schlafsaal füllte sich. Es begann eine der legendären Kissenschlachten. Aufgestaute Energie, Testosteron und die berufsbedingte Anspannung entlud sich nun in einem Gefecht, das es nur so staubte. Zimperlich war hier niemand schließlich war man bei der Feuerwehr, da haben wehleidige keinen Platz. Und so kam es, dass irgendwer nach dem vermeintlichen Kissen mit dem Stiefelknecht griff. Es wurde dem nächsten von oben nach unten über den Kopf gezogen. Der ging sofort ohnmächtig zu Boden als hätte ihm jemand den Stecker herausgezogen. Der Angreifer hielt den Kissenbezug in der Hand und starrte ungläubig auf den auf den Boden liegenden Kameraden. Staunend scharten sich sogleich die Kollegen um den verletzten. An Ersthelfern mangelte es nicht. Die Versorgung war vorbildlich und die Ursache schnell ermittelt. Der Xaver beteuerte seine Unschuld, war der Stiefelknecht doch nicht für die Kissenschlacht gedacht. Man kam überein, dass sowas schon mal passieren könne und keiner Schuld habe. Als der junge Beamte etwas später mit einer Gehirnerschütterung aus der Ohnmacht erwachte, wurde er sogleich beschworen, niemanden darüber zu berichten.

Er willigte ein, wurde für diese Schicht als „Krank“ eingetragen und vorzeitig am Morgen nachhause geschickt. Eine gute Stunde vor Schichtwechsel kam die Mutter des Stiefelknechtopfers aufgebracht in die Wache. Mit ihr war nicht gut Kirschenessen und sie schrie wie man sowas mit Ihrem Jungen machen könne, was für Kollegen sie denn seien, dass sowas überhaupt möglich wäre. Was ist das für eine Wache wo man sich gegenseitig ohnmächtig schlägt ?! Davon bekam nun auch die oberen Etagen Wind, die jedoch nach eingehender Prüfung des Vorfalls ebenso zu dem Schluss kamen, dass es sich um ein Missgeschick handelte, welches nicht beabsichtigt war. Der genesene Kollege kam ein paar Tage wieder zum Dienst, er ist vor einigen Jahren erfolgreich in Rente gegangen. Feuerwehr ist nicht für jeden, da benötigt es einen besonderen Menschenschlag, mit einem harten Schädel. Im Gedenken an Bimbo.